| Veranstaltung: | Delegiertenversammlung | 52. BMV |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 9.1.2. Sprecher*in (offen) |
| Antragsteller*in: | Cora Merzbach (KV Trier) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 10.12.2025, 15:47 |
B4: Cora Merzbach
Selbstvorstellung
Liebe Freund*innen,
mein Name ist Cora Merzbach, ich bin 21 Jahre alt und ich studiere Politikwissenschaften und Soziologie an der Universität Trier.
Seit April 2024 bin ich Mitglied bei Campus Grün Trier, im September 2024 wurde ich zur Sprecherin unserer damals sehr kleinen und organisatorisch angeschlagenen Hochschulgruppe gewählt.
Als ich Sprecherin wurde, bestand unsere HSG faktisch aus Improvisation: keine Struktur, keine Kontinuität, kaum Wahrnehmbarkeit. Wir sind von einer Notfallsitzung zur nächsten gestolpert. Mir war sofort klar, wenn wir Campus Grün vor Ort stärken wollen, brauchen wir Stabilität, Verlässlichkeit und sichtbare Präsenz auf dem Campus. Also habe ich gemeinsam mit meinen Co-Sprechern konsequent angefangen, Strukturen aufzubauen. Heute treffen wir uns jeden Dienstag um 18 Uhr. Dieser Wiederaufbau zahlt sich aus. In diesem Semester konnten wir viele motivierte Neumitglieder gewinnen und sind zweit stärkste Kraft bei der letzten StuPa-Wahl geworden.
Im Januar 2025 zog ich erstmals ins Studierendenparlament ein, wo Campus Grün Trier 6 von 25 Sitzen erhalten hatte. Zudem habe ich ein Jahr im AStA im Nachhaltigkeitsreferat gearbeitet. Dadurch kenne ich die Strukturen der Uni und die typischen Herausforderungen kleiner Hochschulgruppen: die Machtverhältnisse, die fehlenden Ressourcen und die fehlende Sichtbarkeit, sowie personelle Schwankungen, mit denen kleine Hochschulgruppen strukturell kämpfen müssen. Ich weiß, wie mühsam politische Arbeit ohne große Teams sein kann, und genau deshalb möchte ich kleine Hochschulgruppen entlasten.
Außerdem bin ich derzeit Sprecherin der Grünen Jugend Trier und Trier-Saarburg, hier konnte ich beobachten, welche Sorgen, Ängste und auch Hoffnungen Schülis im Bezug auf ihre Zukunft an der Uni haben. Nicht selten hört man nicht nur vor der Angst keine Freund:innen zu finden, sondern auch von existentiellen Sorgen. „Wie bekomme ich mein Leben finanziert, wie geht das überhaupt?“
Studis stehen unter einem hohen finanziellen Druck: Wohnungsnot und explodierende Mieten treiben viele in überteuerte oder unzumutbare Unterkünfte, während gleichzeitig die Preise von Wohnen, in Mensen und generelle Lebenskosten weiter steigen. Dabei ist ein Studium längst ein Vollzeitjob: Vorbereitung, Vorlesungen, Seminare, Tutorien, Nacharbeiten und schließlich alles auch noch lernen. Niemand sollte trotz BAföG gezwungen sein, mehrere Nebenjobs neben dem Studium anzunehmen, nur um über die Runden zu kommen. Doch selbst das BAföG kommt oft zu spät oder wird vielen gar nicht bewilligt, sodass Studierende monatelang in Unsicherheit leben. Zusätzlich verschärfen Leistungsdruck, Klausuren (die oftmals dazu dienen, die Menge an Studis zu reduzieren), überfüllte Seminare und zu volle Vorlesungen die Situation. Auch werden Veranstaltungen in teilweise zu kleine Räume gelegt, in der Annahme, dass im Verlauf des Semesters genug Studierende aufgeben oder wegbleiben. Diese Mischung aus struktureller Unterversorgung, hohem psychischen Druck und systematischen Hürden belastet Studierende enorm und gefährdet nicht nur ihr Studium, sondern auch ihre mentale Gesundheit. Es braucht endlich bezahlbaren Wohnraum, verlässliche soziale Sicherung und faire Studienbedingungen, damit Bildung kein Privileg ist und niemand durch das System zermürbt wird.
Wie kam es zu meinem politischen Engagement?
Mein politisches Fundament habe ich bei Fridays for Future gelegt. Dort habe ich gelernt, dass Veränderung nicht „von oben“ kommt, sondern nur durch entschlossenen, oftmals unbequemen Druck von Menschen, die sich nicht damit abfinden wollen, dass Klimazerstörung, Ungerechtigkeit und politisches Wegschauen zur Normalität gehören. Für mich ist Klimapolitik keine abstrakte Zukunftsfrage, sondern eine reale Überlebensfrage und damit untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit, Antifaschismus und Feminismus verbunden.
Parallel spüre ich, wie viele von euch, den immer stärker werdenden Rechtsdruck an Universitäten und in der Gesellschaft. Ich sehe es als unmissverständliche Pflicht, dem nicht passiv zuzusehen. Deshalb war ich am 29. November auf der Demo in Gießen, um klarzumachen: Wenn rechte Ideologien lauter werden, müssen wir noch lauter und präsenter werden. Und wenn Rechte Wissenschaft, Feminismus und Klimaschutz angreifen, müssen wir uns schützend vor all Jene stellen, die dadurch bedroht werden.
Genau diese Erfahrungen möchte ich nun auf Bundesebene einbringen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, eine Gruppe von „zu klein, zu chaotisch, zu unsichtbar“ wieder zu einer aktiven Stimme zu machen. Ich möchte Hochschulgruppen bundesweit dabei unterstützen, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und gemeinsam stärker zu werden. Campus Grün lebt von Menschen, die mutig Strukturen aufbauen, Räume öffnen und politisches Engagement wieder attraktiv machen. Es bedarf Menschen, die nicht auf „bessere Zeiten“ warten, sondern Druck aufbauen, die klar sagen: „Klimagerechtigkeit, Feminismus und Antifaschismus sind keine optionalen Randthemen, sondern die Grundpfeiler einer gerechten Hochschule und Gesellschaft“. Genau dazu möchte ich als Bundessprecherin meinen Beitrag leisten. Ich bin überzeugt, dass Campus Grün ein entscheidender Ort politischer Bildung und emanzipatorischer Hochschulpolitik ist.
Ich freue mich über euer Vertrauen.
Mit links-grün versifften Grüßen,
Cora Merzbach
Ehrenamtliches Engagement
Seit 25.09.24 - jetzt Campus Grün Trier Vorstand
Seit 07.01.25 - jetzt Studierenden Parlament (StuPa)
Seit 29.01.25 - jetzt AStA Nachhaltigkeitsreferat
Seit 30.10.24 - jetzt Heimrat Tarforst
Seit 15.05.2025 - jetzt Grüne Jugend Trier und Trier-Saarburg Vorstand
Seit 05.06.25 - jetzt Grünen Mitglied
- Alter:
- 21
- Gruppe:
- Campus Grün Trier
- Hochschule:
- Universität Trier
